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Wunderwelt der Arven

Greta Guntern-Gallati hat für die «Alpine Wellness Vita Borni» im Grand Hotel Zermatterhof eine Ausstellung gestaltet. Die prächtigen Arvenfotos lassen die Erholungszone zu einer Erlebniswelt werden, welche zum Entspannen und Meditieren einlädt. Im Interview verrät die Künstlerin mehr über ihr kreatives Schaffen.


Sie haben im Grand Hotel Zermatterhof eine Ausstellung für die «Alpine Wellness Vita Borni» gestaltet.                                               

Das Hotel hat von mir mehrere grossformatige Fotos erworben. Wir planen zudem eine ganzjährige Fotoausstellung.


Wie ist es dazu gekommen?                                                          

Seit 2007 sind mein Mann und ich regelmässig in den Walliser Alpen auf Fotosafari unterwegs. Ich fotografiere alte Arven, Eringerkühe, Wasser, Schnee, Felsen, Menschen. Wir haben zweimal die Massaschlucht durchquert und zahllose Fotos geschossen. Mit den Fotos hab ich meine künstlerischen Aktivitäten von Zeichnungen, Gemälden und Collagen auf ein neues Interessengebiet verlegt.


Wie muss man sich Ihre Fotosafari vorstellen?                                                    

Mein Mann ist mein Sherpa. Er trägt Ausrüstung und Rucksack und geht allein auf die Suche nach aussergewöhnlichen Arven, während ich eine Arve aus allen Blickwinkeln fotografiere. Dann kommt er zurück und führt mich zur nächsten Arve.


Wie lange fotografieren Sie eine Arve, bis Sie haben, was Sie suchen?          

Eine Stunde und mehr bei den interessantesten Veteraninnen. Diese Überlebenskünstlerinnen können über 1000 Jahre alt werden, haben Hitze und Kälte, Blitzen, Lawinen und Felsstürzen getrotzt. Sie wachsen bis zur oberen Waldgrenze, die Ökologen «Kampfzone» oder «Todeszone» nennen. Sie haben eine ausgeprägte Persönlichkeit und ein Gesicht, das Geschichten erzählen kann, die uns tief berühren.


Die Arve hat ein Gesicht?

Im unteren Stammbereich und in den sichtbaren Wurzeln. Dort gibt es die ungewöhnlichsten Formationen. Skulpturen aus einer Wunderwelt. Von den Naturkräften geformte Riesenbonsais.


Sie lieben Arven?                                                                                             

Sehr. Und ich habe grossen Respekt vor ihnen. Die UNESCO sollte das einmalige Arvengebiet zwischen Riffelalp und Grünsee zum Weltnaturerbe erklären.


Arven scheinen sich positiv auf die Gesundheit auszuwirken.                         

Sie produzieren Sauerstoff und entziehen der Luft Kohlenstoffdioxid. Sie leisten noch mehr. Mein Mann ist Wissenschaftler und erforscht die Kreativität und damit auch die Kunst und geht gewissen Dingen tiefer auf den Grund.


Zum Beispiel?                                                                                                     

Die Forschung hat bewiesen, was unsere Vorfahren schon immer wussten: Es ist gesund, im Arvenholz zu wohnen.


Weshalb?                                                                                                            

Die Arven produzieren ein Harz, das Pinosylvin, dessen Geruch sehr angenehm ist und zudem eine positive Wirkung auf unser neuro-vegetatives Nervensystem ausübt. Der Harzgeruch beruhigt, verringert Atem- und Pulsfrequenz, senkt den Blutdruck und fördert einen tiefen, erholsamen Schlaf. Er verbessert die Konzentration und verringert Stressempfindlichkeit und Reizbarkeit. In einer von Dauerstress gehetzten Gesellschaft ist dies Balsam. Zermatt besitzt mit seinen Arvenwäldern eine einmalige natürliche Ressource, auf die man ausdrücklich hinweisen sollte.


Gehören unsere Arven zu den ältesten Bäumen unserer Wälder?          

Zweifellos. Nach Ende der letzten Eiszeit trugen Wind, Vögel, Eichhörnchen und andere Tiere Arvensamen aus Sibirien und der Mandschurei nach Westen, über die Karpaten
hinweg bis in unsere Alpen.


Und wie kamen Ihre Fotos in die neue «Alpine Wellness Vita Borni»?             

Wir machen seit Jahren im Sommer und Winter Arbeitsferien
im Kulmhotel Gornergrat. Die Gästezimmer sind sehr geschmackvoll eingerichtet, haben Betten und Möbel aus Arvenholz. Mit den ehemaligen Gastgebern und Direktoren, Fabienne und Fernando Clemenz, haben wir oft über den ästhetischen und gesundheitsfördernden Wert von Arven diskutiert. Durch sie erfuhren Burgerpräsident Andreas Biner und Hoteldirektor Rafael Biner, dass ich das grösste Arvenarchiv des Wallis, vermutlich der Welt, besitze. Eines Tages besuchte Pierre Gurtner, der Lausanner Architekt des neuen Spa-Bereichs, mein Atelier in Brig und war sogleich fasziniert von meinen Arvenbildern.


Was erwartet die Spa-Besucher?                                                                      

Drei prächtige Arvenfotos (Spezialdrucke Lambda metallic auf eloxiertem Alu). Damit wird diese Erholungszone zu einer Erlebniswelt, welche die Betrachter zur Entspannung und Meditation einlädt.


Welche Botschaft möchten Sie mit Ihren Bildern vermitteln?                      

Dass uns die Schönheit und Ausdruckskraft alter Arven mit einem tiefen inneren Frieden erfüllen, uns inspirieren, unsere Imagination und Kreativität anregen. Wir kriegen Respekt angesichts ihrer Überlebenskunst. Wo die Kreativität der Natur sich mit der kulturellen Kreativität der Kunst verbinden, entstehen Sinnstiftung und existenzielle Erfüllung. Eine Broschüre liefert den Gästen übrigens Informationen über Arven und Künstlerin.


Wellness mit einheimischen Materialien wie Steine, Holz, Wasser, Eis und Feuer — das ist die Kernbotschaft der «Alpine Wellness Vita Borni». Ihre Bilder passen perfekt zu dieser Botschaft.                                                                 

Sie bilden eine Einheit mit der geschmackvollen Architektur des Wellnessbereichs.


Ihre Fotos in einem Spa sind sicher nichts Alltägliches?                             

Dieses Kunstprojekt in einem Spa und die geplante ganzjährige Fotoausstellung im Hotel sind eine Premiere. Damit haben Hotel und Burgergemeinde einen kreativen Weg eingeschlagen, der bei den Gästen positive Reaktionen auslösen wird. Für mich ist dieses Projekt ein tolles und anspruchsvolles Kunstexperiment.