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Interview mit Rainer Maria Salzgeber

Rainer Maria Salzgeber lebt seit mehr als 20 Jahrenin Zürich. In der Limmatstadt arbeitet der 47-jährigefussballbegeisterte Walliser für das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). Dass der beliebte Walliser Moderator immer noch intensive Kontakte in seiner alten Heimat pflegt und warum er sich mit Zermatt ganz besonders verbunden fühlt, erzählt er im Interview.

Rainer Maria Salzgeber, Sie sind seit 1994 beim SRF tätig.Ihr Schaffen als Fussballmoderator und Sportjournalistbezeichnen Sie als Traumjob – auch noch nach 22 Jahrenbeim SRF?

«Dass ich mein Hobby und meine Leidenschaft zum Berufmachen konnte, empfinde ich nach wie vor als grossesPrivileg. In meinem Job bin ich immer wieder auf Reisen,lerne interessante Menschen kennen und darf verschiedeneSportanlässe besuchen und begleiten. Dass ich damit meinEinkommen verdiene, ist im Grunde unbezahlbar. Währendmeiner Berufskarriere hatte ich noch zu keinem Zeitpunktdas Gefühl, arbeiten zu müssen – mein Job ist einVergnügen.»

Können Sie sich ein Leben abseits der Kameraund ohne Scheinwerferlicht überhaupt vorstellen?

«Zum jetzigen Zeitpunkt ist das schwierig zu beantworten.Es liegt aber in der Natur der Sache, dass es früher oderspäter eine Zeit ohne Kameras und Scheinwerferlicht gebenwird. Wichtig ist mir dabei, den möglichen Schlusspunktselbst bestimmen zu können. Solange ich meinen Beruf aberweiterhin mit grosser Begeisterung für den Sport ausübenkann und sowohl das Publikum als auch mein Arbeitgebermit meinem Schaffen zufrieden sind, gibt es keinen Grundaufzuhören. Familienleben, Freizeit, Hobbys – ein wichtigerTeil meines Lebens spielt sich im Übrigen bereits heuteabseits des Scheinwerferlichts ab.»

Sie moderieren gelegentlich auch Podiumsgesprächeund Events, die wenig oder gar nichts mit der Sportweltzu tun haben. Warum?

«Ob Sportler oder nicht; für mich als Moderator bleibt dasHandwerk letztlich dasselbe. Meine Devise lautet jeweils,auch Gelegenheiten ausserhalb des Sports wahrzunehmen,die mich möglicherweise in einer anderen Art und Weiseherausfordern und bei denen ich meine Persönlichkeit einbringenkann. Ich würde aber keinen Anlass moderieren,der nicht zu mir passt, hinter dem ich nicht stehen kann.Entscheidendes Kriterium ist dabei die Materie.»

Walliser haben bekanntlich auch ausserhalb der Kantonsgrenzeneinen starken Zusammenhalt und organisierensich in sogenannten Walliserklubs. TreffenSie sich in Ihrer Wahlheimat Zürich regelmässigmit anderen Wallisern?

«Nein, ich bin kein Mitglied eines Walliserklubs oder einesWalliservereins. Bei einer Freundschaft oder unter Kollegenspielt die Herkunft der Personen letztendlich keine Rolle.Vielmehr ist mir das Wallis als meine eigentlichen Wurzelnwichtig.Trotzdem findet man als Walliser in der Fremde wahrscheinlichschneller den Rank zueinander. Gründe dafürsind wohl, dass wir doch ein besonderes Völklein sind unddass man untereinander schnell einen gemeinsamen Nennerfindet; womöglich hat man dieselbe Schule besucht, hatdenselben Bekanntenkreis oder kennt dieselben Personen.Wir sind halt schon ein bisschen anders als andere …»

Welchen Bezug haben Sie noch zu Ihrer alten Heimat?

«Regelmässig informiere ich mich via Print-, Radio- undOnlinemedien über das Geschehen im Wallis. Immer nochverbindet meine Frau, die in Brig aufgewachsen ist, undmich sehr viel mit dem Wallis. Die meisten unserer Verwandtenleben im Wallis und es gehört dazu, dass wir etwazu familiären Feiern jeweils zurück ins Wallis reisen. DieRegelmässigkeit solcher Ausflüge hat indes etwas abgenommen.Vielleicht auch, weil unsere Kinder in Zürich aufwachsenund sich ihr Leben in diesem Umfeld abspielt. Bei unszu Hause wird aber Walliserdialekt gesprochen und meineFrau und ich unternehmen das Möglichste, damit die Bandeins Wallis auch bei der nächsten Generation nicht verlorengehen. Unsere beiden Kinder kommen nun in ein Alter,in dem wir als Familie wieder vermehrt Ferien in Zermattverbringen werden.»

Auch als Teilhaber des Restaurants Baracca Zermattin Kloten sind Sie mit dem Wallis und im Besonderenmit Zermatt verbunden. Was war der Reiz, eine Walliser Beiz zu eröffnen?

«Die Baracca Zermatt ist natürlich ein weiteres Engagementmit Walliser Bezug, das ich gerne pflege. Dabei steht im Vordergrund,Gästen das kulinarische Wallis und das besondereAmbiente der Region zu vermitteln.Dazu gehört auch Zermatt. Ich erinnere mich gut an dasRestaurant Whymper Stube in Zermatt, in das wir oft einkehrten,um uns ein Fondue zu gönnen – damit hat allesangefangen.Als sich mir schliesslich die Gelegenheit bot, mich bei derBaracca Zermatt als Mitinhaber einzubringen, habe ich dieChance mit Freude genutzt. Ein Projekt, hinter dem ich vollund ganz stehen kann.»

Somit spielt auch Zermatt eine grosse Rollein Ihrem Leben?

«Auf jeden Fall! In meiner Kindheit hat unsere Familie immerwieder Ferien in Zermatt verbracht. Jahrelang war ichspäter als Speaker bei der ‹Horu Trohpy› und im Sommerbei einem Tennis-Turnier tätig. Oft habe ich in Zermatt anSilvester ins neue Jahr gefeiert, und vier meiner ehemaligen Schulkameraden in der Mittelschule kamen aus Zermatt.Ferner bin ich mit einigen Personen aus Zermatt immernoch eng befreundet. Etwa mit Franz Julen, der mir, als ich damals vom Wallis nach Zürich ging, ein wertvoller Ratgeberwar und heute immer noch ein guter Freund ist. MeineFrau Chantal war Burgerin von Zermatt und ein Grossteil ihrer Verwandtschaft lebt noch heute in Zermatt oderin Randa. Diese Umstände haben schliesslich auch dazubeigetragen, dass wir uns dazu entschieden haben, unsereHochzeit in Zermatt zu feiern.»

Die Hochzeitsfeier fand im Jahr 1999 im Grand HotelZermatterhof statt …

«Am 13. Mai 1999. Für uns war damals klar, dass die kirchlicheTrauung in der Burgkirche in Raron stattfinden sollte.Auf der Suche nach den passenden Lokalitäten für dieanschliessende Hochzeitsfeier trafen wir im Grand HotelZermatterhof auf den damaligen Direktor Jean-Pierre Lanz.Dieser hat uns ausgesprochen freundlich und zuvorkommendempfangen, sodass es nach nur einigen Augenblickenkeinen Zweifel mehr daran gab, die Hochzeit im Zermatterhofzu feiern. Und das Fest wurde zu einem prägendenund unvergesslichen Erlebnis. Die Lokalität – wir feiertenim sogenannten ‹Blauen Saal› – war gigantisch und auchder damalige Koch Heinz Rufibach wusste den Gästen einwunderbares Menü zuzubereiten. Ich bin mir sicher: Füreine Hochzeitsfeier gab es zum damaligen Zeitpunkt keinepassenderen Räumlichkeiten und keine besseren Rahmenbedingungen.Meine Frau und ich würden uns jederzeitwieder für den Zermatterhof entscheiden.»

Die Verbindungen zum Matterhorndorf sind also stark.Dass Sie den Gipfel des Matterhorns bereits bezwungenhaben, ist also nur einleuchtend …

«Bereits zwei Mal durfte ich auf dem Matterhorn stehen.Allerdings habe ich den Berg nicht erklommen, sondernwurde anlässlich zweier Events mit einer Seilwinde aus demHelikopter auf den Gipfel hinabgelassen. Der Moment, alsich auf dem Berg stand, war grossartig. Das Wagnis, denBerg eines Tages kletternd zu bezwingen, werde ich wohlnicht angehen. Ich bin ehrlich gesagt froh um jede Bahn,die einen Berg erschliesst. Das soll aber nicht heissen, dassich mir eine Bahn aufs Matterhorn wünsche.»